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Myopiemanagement – Kurzsichtigkeit früh erkennen und gezielt begleiten Kurzsichtigkeit (Myopie) bei Kindern nimmt weltweit zu. Dabei ist nicht nur die Brillenstärke entscheidend: Bei fortschreitender Myopie wächst häufig auch die Achslänge des Auges. Je länger das Auge wird, desto höher kann später das Risiko für bestimmte Augenerkrankungen sein. Unser Ziel ist es, Kurzsichtigkeit frühzeitig zu erkennen, das individuelle Risiko einzuschätzen und das Fortschreiten möglichst zu verlangsamen.

Wie entsteht Kurzsichtigkeit?

Kurzsichtigkeit entsteht meist durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Dazu gehören:

  • Genetische Veranlagung – wenn ein oder beide Elternteile kurzsichtig sind
  • Umwelteinflüsse – wenig Tageslicht, viel Naharbeit, lange Bildschirmzeiten
  • Naharbeitsverhalten – kurzer Leseabstand, lange Phasen ohne Pausen Leistungsfähigkeit des visuellen Systems – z. B. Akkommodation, Vergenz, Nahphorie und Zusammenspiel beider Augen
  • Augenlängenwachstum – besonders relevant bei der sogenannten Längenmyopie

Mehr Zeit im Freien gilt als wichtiger Schutzfaktor gegen das Auftreten von Myopie; intensive Naharbeit und wenig Outdoor-Zeit zählen zu den zentralen beeinflussbaren Risikofaktoren.

Warum ist Myopie mehr als nur eine Brillenstärke?

Eine stärkere Kurzsichtigkeit kann das Risiko für spätere Augenerkrankungen erhöhen, zum Beispiel für Netzhautveränderungen, Glaukom oder myopiebedingte Makulaveränderungen. Besonders kritisch wird eine Augenlänge ab etwa 26 mm betrachtet. Ziel des Myopiemanagements ist es, das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit möglichst zu verlangsamen und das Längenwachstum des Auges engmaschig zu kontrollieren – damit spätere Risiken so gut wie möglich reduziert werden.

Was bedeutet Prämyopie?

Prämyopie bedeutet: Ein Kind ist noch nicht eindeutig kurzsichtig, zeigt aber bereits ein erhöhtes Risiko, in den nächsten Jahren kurzsichtig zu werden. Das International Myopia Institute beschreibt Prämyopie als einen Refraktionszustand nahe der Emmetropie, also der Normalsichtigkeit, bei dem Alter, Ausgangsrefraktion und weitere Risikofaktoren eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für spätere Myopie anzeigen. Gerade hier ist eine frühe Risikoanalyse sinnvoll, damit Eltern rechtzeitig beraten werden können.

Unsere Myopie-Risikoanalyse

Zu Beginn steht eine ausführliche Anamnese. Dabei berücksichtigen wir unter anderem:

  • Alter des Kindes
  • Familiäre Vorbelastung
  • Ethnische Herkunft
  • Zeit im Freien
  • Naharbeit und Bildschirmzeit
  • Lese- und Arbeitsabstand
  • Sitz- und Schreibhaltung
  • Bisherige Entwicklung der Brillenwerte

Ergänzend analysieren wir optometrische Messwerte:

  • Höhe der Fehlsichtigkeit
  • Achslänge des Auges (OCT-basierte Biometrie)
  • Akkommodationsstatus, z. B. Akkommodationsgenauigkeit, Akkommodationserfolg
  • Vergenzstatus und Nahphorie
  • AC/A-Verhältnis
  • Beidäugiges Sehen und Belastbarkeit des visuellen Systems

Längenmyopie oder Brechwertmyopie – warum die Unterscheidung wichtig ist

Nicht jede Kurzsichtigkeit entsteht auf die gleiche Weise. Bei der Längenmyopie ist das Auge zu lang gebaut. Hier steht besonders das Augenwachstum im Fokus. Maßnahmen, die auf die Netzhaut beziehungsweise den peripheren Defokus wirken, können hierbei besonders relevant sein. Bei einer eher funktionellen Brechwertkomponente können Akkommodation, Nahstress oder das Zusammenspiel beider Augen eine größere Rolle spielen. Hier können entlastende Glasdesigns, Nahzusätze oder Sehfunktionstraining (VT/OSFT) sinnvoll sein.

Kurz gesagt: Je nach Ursache braucht jedes Kind eine individuell passende Versorgung.

Mögliche Versorgungsoptionen

1. Spezielle Brillengläser zur Myopiekontrolle

Moderne Myopie-Brillengläser können so gestaltet sein, dass sie gezielt auf die Netzhautabbildung wirken. Ein Beispiel sind Brillengläser mit peripherem Defokus beziehungsweise speziellen Mikrolinsen- oder Lenslet-Strukturen. Zusätzlich können entlastende Nahkomfort- oder Wellness-Gläser eingesetzt werden, wenn Akkommodation und Vergenzsystem im Nahbereich stark belastet sind. Aktuelle Übersichten des International Myopia Institute beschreiben Brillenglasdesigns, Kontaktlinsen, Orthokeratologie und Atropin als relevante Optionen im Myopiemanagement.

2. Okuläres Sehfunktionstraining / Vision Training

Wenn Auffälligkeiten im Akkommodations- oder Vergenzsystem bestehen, kann ein gezieltes Sehfunktionstraining sinnvoll sein.

Mögliche Inhalte:

  • Übungen zur Entlastung der Akkommodation
  • Training der Akkommodationsgenauigkeit
  • Verbesserung des maximalen Akkommodationserfolgs
  • Vergenztraining, z. B. bei Nah-Esophorie
  • Verbesserung der visuellen Belastbarkeit bei Naharbeit

3. Verhaltensberatung im Alltag

Kleine Veränderungen im Alltag können einen wichtigen Beitrag leisten:

  • Täglich möglichst viel Zeit im Freien verbringen (mindestens 2 Std.)
  • Naharbeitsabstand über 35 cm einhalten
  • Regelmäßige Pausen, z. B. 20-20-20-Regel
  • Dauerbelastung in der Nähe vermeiden
  • Gute Beleuchtung
  • Ergonomische Sitz- und Schreibhaltung
  • Sinnvolle Arbeitsplatzgestaltung
  • Bewusster Umgang mit Bildschirmzeiten

4. Kontaktlinsen zur Myopiekontrolle

Je nach Alter, Motivation und Eignung können spezielle Kontaktlinsen eine Option sein:

  • Orthokeratologie / Nachtkontaktlinsen
  • Multifokale weiche Kontaktlinsen
  • Designs mit peripherer oder zentraler Addition

Diese Versorgungen zielen darauf ab, die Abbildung auf der Netzhaut so zu beeinflussen, dass das Längenwachstum des Auges möglichst reduziert wird.

5. Medikamentöse Myopiekontrolle

Eine weitere Möglichkeit in Ergänzung mit obigen Therapien ist die Anwendung von niedrig dosiertem Atropin. Diese Option gehört in Deutschland in die augenärztliche Abklärung. Wenn eine medikamentöse Myopiekontrolle mit Atropin in Betracht kommt verweisen wir an eine ophthalmologische Einrichtung.

Unser Anspruch:

  • frühe Risikoerkennung
  • regelmäßige Verlaufskontrolle
  • individuelle Versorgungsempfehlung
  • enge Einbindung der Eltern
  • rechtzeitige Weiterempfehlung zum Augenarzt bei Auffälligkeiten

Für wen ist Myopiemanagement sinnvoll?

  • Kinder mit beginnender Kurzsichtigkeit
  • Kinder mit schnell steigenden Brillenwerten
  • Kinder mit kurzsichtigen Eltern
  • Kinder mit wenig Zeit im Freien und viel Naharbeit
  • Kinder mit Prämyopie oder erhöhtem Myopierisiko
  • Kinder mit Kopfschmerzen, Augenbrennen oder Konzentrationsproblemen beim Lesen

Unser Ziel: Wir möchten Kurzsichtigkeit bei Kindern nicht nur korrigieren, sondern ihre Entwicklung gezielt begleiten.

Myopie früh erkennen – Augenwachstum gezielt begleiten.